Gestern war es dann soweit, fast schon wie erwartet, hat das Bundesverfassungsgericht die Hartz IV -Sätze für Verfassungswidrig erklärt. Nun fürchtet die Regierung die massiven Kosten, die auf den Staat zukommen könnten. Dabei haben die Richter keine eindeutige Zahl festgelegt, sondern fordern erstmal eine realistische Berechnung. Fakt ist, die Regelsätze für ALG II – Empfänger können steigen aber auch sinken, ich vermute mal das sie steigen werden. Wenn es nach der Union geht, dann wird dort schon darüber gesprochen, das diese sinken sollen.
Bei “Der Welt” spricht man davon, man solle die Spendierhosen ablegen. Dabei geht Dorothea Siems von einer absoluten Fehlannahme aus. Das nicht wenige Hartz IV – Haushalte mehr Geld haben als mancher Arbeitnehmer, ist kein Zeichen dafür, das zuviel gezahlt wird! Es ist ein Zeichen dafür, dass auf dem Arbeitsmarkt zu wenig gezahlt wird! Es ist bekannt, dass Hartz IV kaum für ein menschenwürdiges Leben ausreicht, warum sollte es dann zuviel sein? Wenn aber jemand arbeiten geht und weniger bekommt als Hartz IV, dann ist nicht der Regelsatz zu hoch sondern die Entlohnung zu niedrig.
Wir leben in Zeiten, in denen der Abstand zwischen Grundsicherung und Entlohnung auf dem Arbeitsmarkt immer mehr geschrumpft ist. Er ist nicht nur geschrumpft, denn teilweise liegt die Entlohnung für Arbeitnehmer unter dem Betrag, der zum leben notwendig ist. Man könnte eigentlich auch von Ausbeutung sprechen!
In den Medien wird immer davon gesprochen, dass viele Arbeitslose unwillig wären, einer Arbeit nachzugehen. Dagegen hält man immer wieder Beispiele, dass bei vielen Firmen stellen frei wären, diese aber nicht besetzt werden könnten. Von Faulheit kann keine Rede sein, da jeder halbwegs vernünftige Mensch wissen sollte, für alle Menschen wird es keine Arbeit geben in der freien Wirtschaft. Und Firmen die über einen Mangel an neuen Arbeitskräften klagen, sollten vielleicht auch mal ihre Stellenanzeigen und Anforderungen überprüfen. Denn nicht selten gehen geforderte Eigenschaften und die wirklichen Anforderungen soweit auseinander, wie das Universum groß ist!
Nun zum letzten Punkt in diesem Abschnitt. Man spricht auch oft davon, dass nur die Geldsumme am Ende des Monats, die Menschen motiviert. Wenn man vom verdienten Geld gut leben kann, dann mag dies Stimmen. Alles was darüber hinaus geht ist in meinen Augen großer Bullshit. Denn alles was über eine Summe hinausgeht, die einem ein relativ sorgenfreies Leben ermöglicht, hat fast keine Auswirkung auf die Motivation! Jedenfalls trifft dies auf den Großteil der “normal sterblichen” Menschen zu.
Das bedingunglose Grundeinkommen wäre in meinen Augen ein Schritt in die richtige Richtung. Es würde für mehr Freiheit und Unabhängigkeit sorgen. Die Menschen wären nicht mehr abhängig von Arbeitgebern, die Arbeitsleistung nicht zu schätzen wissen. Sie wären frei in ihrem Handeln, gerade mit Kindern ist dies ein wichtiger Aspekt. Man müsste seinen Kinderwunsch nicht mehr vom Arbeitsplatz und Einkommen abhängig machen.
Zudem sind Menschen die frei entscheiden können, deutlich kreativer und auch sozialer eingestellt. Dies würde bedeuten, Menschen haben mehr Ideen und auch mehr Zeit diese umzusetzen. Im sozialen Bereich würde mehr Gerechtigkeit herrschen! Und Menschen die wieder an der Gesellschaft teilnehmen können, sind motivierter etwas zu tun. Das liegt schon daran, dass Menschen die mit anderen Menschen etwas unternehmen können, dort viel Inspiration für dass eigene Leben finden.
Wenn die Wirtschaft wirklich als teil der Gesellschaft wahrgenommen werden will, dann sehe ich sie dazu verpflichtet, hier das Ganze mitzufinanzieren. Denn die Wirtschaft behauptet, man könne nicht mehr Arbeitsplätze schaffen, was bei Gewinnen teils in Milliardenhöhe schon wie ein schlechter Scherz wirkt. Zumal die aktuellen Gewinne auch da durch erreicht werden, das Löhne gezahlt werden die unter Hartz IV-Leistungen liegen!
Es glauben viele nach wie vor, wer Arbeitslos ist, der arbeitet auch nicht! Was ist mit den vielen Menschen, denen erst die Arbeitslosigkeit ermöglicht hat, auch sozial tätig zu werden. Dei Menschen die anderen helfen, ohne dafür auch nur 1 Cent zu verlangen. Was ist mit Müttern und Vätern, die ihre Kinder betreuen, die den Haushalt machen und nicht selten sich zusätzlich sozial engagieren? Was ist mit denen die Veranstaltungen planen in ihrer Freizeit, selbstlos und ohne jeglichen finanziellen Hintergrund? Dies sind für mich alles Beweise, dass der Mensch nicht des Geldes wegen arbeiten geht!
Mit einem Grundeinkommen kann man die Grundlage schaffen, dass Menschen freier, kreativer und sozialer miteinander umgehen!
Arbeitsämter, ARGE’n und Sozialämter kosten zusätzlich massig Geld. Ich meine damit nicht, die Beträge die an die Empfänger ausgezahlt werden. Ich meine damit die Gehälter der dort Angestellten, die Technik und das Material. Hier werden viel zu viele finanzielle Mittel in sinnlose Verwaltung, Nötigung und Berechnung gesteckt. Vieles davon könnte man einsparen, wenn es feste Sätze gebe, wie es beim Grundeinkommen z. B. der Fall ist.
Entweder man spart das Geld ein oder man steckt es in wirkliche Vermittlungs- und Motivationsarbeit. Damit meine ich, mit festen Leistungen, die gar keine und nur geringe Berechnung nötig machen, könnte man sich auf Vermittlung konzentrieren. Und da eh nicht jeder Mensch, in der freien Wirtschaft arbeit finden kann, sollten noch ganz andere Dinge möglich gemacht werden.
Es gilt Dort “Arbeitsplätze” zu schaffen, wo die Wirtschaft gar nicht hinkommt, nicht sein sollte oder kein Interesse hat. Zu solchen Arbeitsplätzen sollte man aber auch niemanden zwingen. Vielmehr sollte es darum gehen, die Menschen zu überzeugen und zu motivieren, dass es gut ist, etwas zu tun. Etwas mit anderen Menschen zusammen, etwas das Kontakte schafft, dass einem das Leben schöner macht. Denn Arbeit muss auch Spaß machen, dies haben leider sehr viele Menschen vergessen!
Hier greift auch dass Grundeinkommen wieder, da der Abstand zu normalen Jobs sehr gering ist, bleibt es jedem selbst überlassen wo er tätig werden will. Dies hat zur folge dass Unternehmer etwas tun müssen, wenn es darum geht attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Sie würden lernen müssen, dass Geld alleine, keinen guten Arbeitsplatz ausmacht und das Druck nicht das Mittel der Wahl sein sollte!
Das Land braucht motivierte Menschen, zu solchen werden sie aber nicht von alleine sondern zu einem großen Teil durch Einflüsse von außen. Deshalb sehe ich die einzig sinnvolle Zukunft in einem Amt, das motiviert und Chancen aufzeigt. Welchen Namen das Kind trägt ist egal, die Hauptsache ist, es erfüllt seinen Sinn und Zweck!
Arbeitsplätze ohne Wirtschaftlichkeit
Warum sollte man einem Unternehmen, dass bestimmte Arbeitsplätze schafft, weil es sie braucht, steuerliche Vorteile oder Fördermittel geben? Dies geht immer zu Lasten des Staates und der Gesellschaft. Fakt ist, in der freien Wirtschaft wird es nie wieder genügend Arbeitsplätze geben, schon alleine aus Gründen des technischen Fortschrittes. Sollen deshalb alle anderen Menschen keine Chance haben auf Beschäftigung und ein vernünftiges Leben?
Wie wäre es denn aber, wenn man Unternehmen steuerliche Vorteile gewährt, wenn diese Arbeitsplätze schaffen, die erstmal nicht unbedingt einen wirtschaftlichen Grund haben? Unternehmen die etwas für die Gesellschaft tun, nicht durch einzelne Spenden, sondern auch nachhaltig, sollten wirklich belohnt werden.
Ein Beispiel wäre z.B., ein Unternehmen betreibt Kindergärten die von jedem genutzt werden könnten. Damit würde es Arbeitsplätze schaffen, die nicht den eigenen wirtschaftlichen Interessen unterliegen. Ein Jugendclubs, die von Unternehmen finanziert, nicht geleitet werden, wären ein weiteres Beispiel.
Nur wer wirklich Verantwortung übernimmt und auch ausübt, sollte belohnt werden!
Zusammenfassend kann man sagen, das Problem liegt nicht darin, dass Menschen mehr Hartz IV bekommen als mancher der einer Arbeit nachgeht. Das Problem liegt darin, dass man auf dem Arbeitsmarkt gar nicht genug verdienen kann, um davon vernünftig leben zu können. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, das zuviel Geld nach oben wegfließt. Das Geld ist einfach falsch verteilt, statt einem Kreislauf, fließt das Geld einfach nur nach oben und dort bleibt es auch. Nur ein kleines Rinnsal plätschert zurück in den Kreislauf.
Die Möglichkeiten und Chancen dies zu ändern, existieren schon lange, nur umgesetzt werden müssten sie. Allerdings müsste man sich dann auch als Unternehmer umdenken, Ziel darf es nicht sein, so schnell wie möglich reich zu werden, sondern von seinem Unternehmen leben zu können und etwas für die Gesellschaft zu tun!
Tags: ALG II, grundeinkommen, Hartz IV, kosten, recht, staat
Datum: 10. Februar 2010
Autor: Frank